Mehrere Schwerverletzte, eine angespannte Sicherheitslage und zahlreiche Patienten auf einmal: Bei einer groß angelegten MANV-Übung trainierten Mitarbeiter des Krankenhauses Weilheim gemeinsam mit Polizei und Rettungskräften die Abläufe für eine außergewöhnliche Notfallsituation.
Eine Polizistin mit schweren Stichverletzungen wird in den Schockraum gebracht. Drei Kollegen in voller Einsatzausrüstung begleiten sie. Das medizinische Team übernimmt die Behandlung, während sich die Lage in der Klinik weiter zuspitzt. Was sich am Samstagvormittag in Weilheim abgespielt hat, war Teil einer Notfallfallübung. Die Ausgangslage: Ein Anschlag bei einer Großveranstaltung mit zahlreichen Verletzten.
Bereits gegen 8.30 Uhr hatte Dr. Stephen Bodenberger, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme Weilheim, die Gefährdungslage eingeschätzt und den sogenannten MANV-Alarm ausgelöst. MANV steht für „Massenanfall von Verletzten“ – eine Situation, in der innerhalb kurzer Zeit mehr Menschen medizinische Hilfe benötigen, als mit den üblichen Abläufen versorgt werden können. Dann gilt es, Personal zu mobilisieren, Zuständigkeiten zu klären und Behandlungskapazitäten zu organisieren.
„Bei einem Massenanfall von Verletzten müssen wir innerhalb kürzester Zeit entscheiden, wer zuerst Hilfe benötigt und wie wir unsere verfügbaren Kräfte am sinnvollsten einsetzen“, betont Dr. Bodenberger. Entscheidend seien klare Abläufe und eine funktionierende Kommunikation, um die anfängliche Chaosphase rasch zu überwinden und eine strukturierte Versorgung sicherzustellen.
Während in der Kapelle eine Registrierungsstelle für Mitarbeiter eingerichtet wurde, bildete sich die Krankenhaus-Einsatzleitung (KHEL). Der Haupteingang wurde vorübergehend geschlossen, das Gebäude abgesperrt. Damit sollte der Zugang kontrolliert und der Patientenstrom gezielt gelenkt werden. An der Liegendanfahrt entstand eine Sichtungsstelle, an der eintreffende Verletzte nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung eingeteilt wurden.
Kurz darauf erreichten rund 15 weitere Übungspatienten die Klinik zu Fuß. An der eingerichteten Sichtungsstelle wurden sie nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung eingestuft und anschließend dem roten, gelben oder grünen Versorgungsbereich zugeordnet. Der grüne Bereich für Leichtverletzte befand sich im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Dort erfolgte eine erneute Sichtung. Die Herausforderung: Die Mitarbeiter mussten unterschiedliche Verletzungsschweregrade berücksichtigen und die Betroffenen entsprechend den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten verteilen.
Doch nicht allein medizinische Hilfe war gefordert. Gegen 9.30 Uhr entstand im MVZ eine zusätzliche Bedrohung: Ein als Attentäter dargestellter Patient befand sich im Gebäude. Damit rückte auch die Sicherheit der Anwesenden in den Fokus. Die Polizei war eng in das Geschehen eingebunden.
Dr. Thomas Löffler, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Weilheim, erklärt: „Ein Krankenhaus muss auch in außergewöhnlichen Situationen handlungsfähig bleiben.“ Dabei gehe es nicht nur um die Behandlung der Patienten, sondern ebenso um Sicherheit – auch um die der Mitarbeiter. Zudem seien klare Entscheidungen auf allen Ebenen erforderlich.
Im simulierten Einsatzgeschehen gab es einen Todesfall und mehrere Schwerverletzte. Um auf wechselnde Anforderungen reagieren zu können, wurden kleinere Versorgungsteams neu zusammengestellt. Auch die Grenzen der eigenen Kapazitäten waren Bestandteil des Trainings: Für einen Patienten musste eine Verlegung in eine externe Einrichtung organisiert werden.
Nach Aufhebung der Gefährdungslage kehrte das Krankenhaus zum regulären Betrieb zurück. Beteiligt waren Mitarbeiter der chirurgischen Abteilungen, der Kliniken für Anästhesie und Intensivmedizin sowie der Interdisziplinären Notaufnahme. Hinzu kamen Einsatzkräfte der Polizei und des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der bestehenden Notfallstrukturen und in künftige Schulungen am Krankenhaus Weilheim ein.