Zwei Operationen, vier neue Gelenke.
Artikel vom 11.03.2026 im "OVZ online - Medizin"
Als selbstständiger Zimmerer macht Carsten Harms gerne Nägel mit Köpfen – auch dann, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Er entschied sich für zwei sogenannte Simultan-Operationen. Dabei wurden zunächst beide Hüften und ein Jahr später beide Knie jeweils während nur eines Eingriffs durch Totalendoprothesen (TEP) ersetzt. Sein Motto: „Augen zu und durch.“ Aus der Sicht der 65-Jährigen eine goldrichtige Entscheidung: „Nach beiden Eingriffen kam ich schnell wieder auf die Beine und ich habe auf der Arbeit nicht so lange gefehlt.“
Der Job-Aspekt spielte bei seiner OP-Entscheidung eine Schlüsselrolle. Denn Harms führt gemeinsam mit seinem Sohn Enrico einen Familienbetrieb. „Da kannst du es dir nicht leisten, monatelang wegen Rehaaufenthalten auszufallen.“ Auch medizinisch sprach nichts gegen die doppelte Doppel-OP, wie sein Arzt Dr. Thomas Löffler im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt: „Der Patient war ideal für diese Behandlungsstrategie geeignet: unter anderem deshalb, weil er eine gut trainierte Muskulatur und eine sehr hohe Motivation mitbrachte, um nach dem Eingriff aktiv an seiner raschen Genesung mitzuarbeiten. Außerdem hatte er keine nennenswerten anderen Erkrankungen und nahm auch keine Blutverdünner ein. Damit war auch das Risiko für Komplikationen wie beispielsweise eine größere Blutung nicht erhöht.“
Solche Simultan-Operationen sind nach Meinung des erfahrenen Gelenkersatz-Spezialisten auch bei wesentlich älteren Patienten als Harms unproblematisch – sofern diese insgesamt bei guter Gesundheit sind und auch wirklich die Notwendigkeit besteht, dass gleich beide Gelenke ersetzt werden müssen. „Die Indikation muss stimmen“, betont Löffler. „Es ist nicht sinnvoll, das zweite Gelenk prophylaktisch zu ersetzen, nur weil sich im Röntgenbild bereits Arthrose zeigt. Entscheidend ist nicht das Diagnosebild, sondern der Leidensdruck des Patienten.“
Dieser war hoch bei Carsten Harms. „Ich habe früher viel Bodybuilding gemacht und mir damit die Gelenke ruiniert.“ Als seine Arthroseschmerzen in den Knien unerträglich wurden, suchte er im Internet nach einem Spezialisten für eine Gelenkersatz-OP. Dabei stieß er zufällig auf ein Youtube-Video, in dem Löffler seine Gelenkersatz-Operationen mit dem OP-Roboter Mako erklärte. „Als Technik-Freak war ich sofort begeistert.“ So sehr, dass Harms aus seinem norddeutschen Heimatort Marschacht bei Hamburg extra nach Weilheim reiste, um sich von Löffler untersuchen und beraten zu lassen.
Das Ergebnis war zunächst ernüchternd. Denn der Chirurg stellte fest, dass auch beide Hüften des Patienten schwer geschädigt waren und erheblich zu seinen Schmerzen beim Gehen beitrugen. „Wenn Hüften und Knie ersetzt werden müssen, operiert man in der Regel zuerst die Hüften“, erklärt Löffler. Der erste Eingriff verlief so erfolgreich, dass Harms schon nach wenigen Wochen wieder arbeiten konnte. Auch nach der Knie-OP ein Jahr später stieg er schnell wieder auf Leitern und Dächer. Seine rasche Heilung kam allerdings nicht von ungefähr: „Ich habe mich auf die Knie-OP vorbereitet, unter anderem Muskeltraining gemacht und abgenommen, sogar fast ein Jahr lang keinen Alkohol getrunken, um bei dem Eingriff körperlich so gut wie möglich in Schuss zu sein.“ Auch hinterher arbeitete Harms an seinem Blitzcomeback auf dem Bau: „Ich habe mir extra ein E-Bike gekauft und regelmäßig mit meiner Frau Kilometer gebolzt, immer ein paar mehr.“ Nach seiner doppelten Doppel-OP hat der 65-Jährige gleich das nächste Ziel ins Auge gefasst: „Ich will noch mindestens fünf Jahre in meiner Firma mitarbeiten. Zwischendurch komme ich sicher mal zurück nach Weilheim – um dort Urlaub zu machen.“
Dieser Artikel (ID: 2466109) ist am 11.03.2026 in folgenden Ausgaben erschienen: Mühldorfer Anzeiger (Seite 8), Wasserburger Zeitung (Seite 8), Mangfall-Bote (Seite 8), Chiemgau-Zeitung (Seite 8), Oberbayerisches Volksblatt (Seite 8), Waldkraiburger Nachrichten (Seite 8), Neumarkter Anzeiger (Seite 8).
Zimmerer Carsten Harms (65) betreibt mit seinem Sohn eine eigene Firma. © Fotos: privat
Wieder topfit für den Job: Hier arbeitet Harms in sieben Metern Höhe.
Ein künstliches Kniegelenk im Röntgenbild. © Foto: Klinik
Zwei neue Hüften: Eine Übersichtsaufnahme des Beckens von Carsten Harms. © Foto: Klinik
Gelenkersatz-OP: Dr. Thomas Löffler setzt ein künstliches Kniegelenk ein. © Fotos (2): R. Ruder