„Auch Ihr Inneres braucht mal Streicheleinheiten.“


Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang | Chefarzt

LEISTENBRUCH (HERNIEN)

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Der wohl bekannteste Bruch ist der Leistenbruch, in der Fachsprache Hernia inguinalis genannt. Rund 275.000 Menschen werden pro Jahr deswegen operativ versorgt. Insgesamt erkranken 20% aller Männer im laufe ihres Lebens an einer Leistenhernie. Männer sind neunmal öfter betroffen als Frauen.  Damit gehört der Leistenbruch zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Aufgrund anatomischer Schwachstellen in der Bauchwand sind Männer von der Erkrankung besonders häufig betroffen. Die erworbene oder angeborene Leistenhernie zählt damit weltweit zu den häufigsten Erkrankungen.

Seinen Namen hat der Leistenbruch aufgrund seiner Lokalisation. Im Bereich der Leiste kommt es zu einem Eingeweidebruch. Baucheingeweide treten dabei im Bereich des Leistenkanals durch eine Lücke in der Bauchwand. Den Leistenbruch erkennen betroffene Personen durch das Sehen und Fühlen einer sackartigen Ausstülpung in der Leiste. Während früher noch Bruchbänder zur Leistenbruch Behandlung verwendet wurden, liefern heutzutage moderne chirurgische Verfahren ausgezeichnete Ergebnisse bei der Behandlung des Leistenbruchs. Allein in Deutschland werden pro Jahr etwa 250.000 offene oder minimal-invasive Hernienoperationen durchgeführt.

 

INHALTSVERZEICHNIS 

 

Was ist ein Leistenbruch (Leistenhernie)?


Beim Leistenbruch (lat. 
Hernia inguinalis) handelt es sich um eine meist ungefährliche Erkrankung, bei der es in der Leiste zu einem Eingeweidebruch kommt. Durch die Bruchpforte, eine Schwachstelle in der Bauchwand, gelangen Gewebe und teilweise auch Eingeweide in den von außen sichtbaren Bruchsack. Diese sackartige Ausstülpung in der Leiste ist unter der Haut gut sichtbar und fühlbar und enthält die vom Bauchfell eingeschlossenen hervorgetretenen Eingeweide. Die Leistenhernie kann angeboren oder erworben sein.

 

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Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie bietet Ihnen ein breites diagnostisches und therapeutisches Spektrum. Im Bereich der Allgemein- und Viszeralchirurgie verfügen wir über vielfältige Behandlungsmöglichkeiten der inneren Organe (z.B. Galle, Leber, Magen, Milz, Darm und Thorax (Brustkorb)) und Weichteile. Durch die moderne Ausstattung der Klinik und die hohe Kompetenz der Mitarbeiter werden viele Operationen im minimal invasiven Verfahren (Schlüsselloch-Chirurgie) oder roboter-assistiert durchgeführt, welche eine schnelle Heilung unserer Patienten ermöglicht. Für alle Eingriffe stehen uns und damit Ihnen modernste Geräte und Instrumente zur Verfügung, seit 2020 auch der da Vinci Xi Roboter.

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Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang

Chefarzt |Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

 

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Wie kommt es zu einem Leistenbruch?

Voraussetzung für die Entstehung eines Leistenbruchs ist das Vorhandensein einer Schwachstelle der Bauchwand im Leistenkanal. Die Ursachen von Leistenbrüchen unterscheiden sich in der angeborenen und erworbenen Form.

Bei der angeborenen Leistenhernie kommt es während der Entwicklung des Fötus im Mutterleib zu einer nur unvollständigen Entwicklung der frühkindlichen Bauchwand. Der innere Verschluss der Bauchwand erfolgt nicht komplett. Das Kind kommt bereits mit einem Leistenbruch zur Welt. Eine angeborene Leistenhernie kommt bei bis zu drei Prozent aller Kinder vor.

Der erworbene Leistenbruch kann in jedem Alter auftreten. Meist findet man ihn bei Menschen in höherem Lebensalter. Verschiedene Voraussetzungen tragen zusätzlich zur Entwicklung einer Bauchwandschwachstelle im Leistenbereich bei. Eine häufige Ursache ist die Bindegewebsschwäche. Das aus elastischen und Kollagenfasern bestehende Bindegewebe festigt und stützt die Organe und Strukturen im Körper. Bei einer Schwäche des Bindegewebes ist diese Funktion nicht mehr optimal gegeben. Kommt zur Bindegewebsschwäche zusätzlich ein erhöhter Druck im Bauchraum dazu, zum Beispiel durch Übergewicht, Schwangerschaft, starkes Pressen beim Stuhlgang, Erbrechen, Husten, Niesen, körperlich schwere Arbeit und vor allem Heben schwerer Lasten, kann schnell ein Leistenbruch entstehen. Ebenso führen die Vernarbungen nach Bauchoperationen zu einem erhöhten Risiko, an einem Leistenbruch zu erkranken.

 

Wie erkenne ich einen Leistenbruch?

Typisches Symptom für einen Leistenbruch ist die Vorwölbung im Bereich der Leiste. Oft wird sie zufällig entdeckt. Die Schwellung ist sichtbar und beim Abtasten fühlbar. In der Regel kann sie gut nach innen zurückgedrückt werden. Körperliche Anstrengungen und lange Arbeitstage führen häufig zu einer stärkeren Vorwölbung. Die meisten von einer Leistenhernie Betroffenen sind in ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Wohlbefinden in keiner Weise eingeschränkt. Oft spricht man hier auch von einem kleinen Leistenbruch. In einigen Fällen und bei Verschlimmerung des Leistenbruchs machen sich im betroffenen Bereich leichte, auch ziehende Schmerzen und ein unangenehmes Druckgefühl bemerkbar. Die Schmerzen strahlen bei Frauen mitunter bis in die Schamlippen aus. Männer können sie bis in den Hodensack fühlen. Typisch für diese Art Beschwerden ist die Verschlimmerung bei Druckerhöhung im Bauchraum und Berührung der betroffenen Bereiche. 

Treten starke Schmerzen auf, die eventuell mit Übelkeit, Erbrechen und Fieber einhergehen, sollte sofort ein Arzt konsultiert werden. Bei größeren Leistenbrüchen oder starker körperlicher Belastung können Teile des Dünndarms im Bruchsack eingeklemmt werden (eingeklemmter Bruch, Inkarzeration). Das Anschwellen und die in der Folge schlechtere Durchblutung der Darmwand oder eine Verletzung des Darms können zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung führen. Es handelt sich hierbei um einen medizinischen Notfall und muss sofort behandelt werden.

 

 

 

 

 

 

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Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

Haben Betroffene typische Leistenbruch Symptome, sollte zur genauen Abklärung ein Arzt aufgesucht werden. Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch über Symptome und Beschwerden des Betroffenen erfolgt durch den Arzt eine Tastuntersuchung. Dabei prüft er, wie groß die Leistenhernie ist und ob sie Schmerzen verursacht. Auch Veränderungen während des Hustens oder Niesens und im Stehen oder Liegen werden untersucht. Wichtig ist ebenfalls, ob es möglich ist, den Inhalt des Bruchsacks in den Bauchraum zurückzudrücken. Danach entscheidet der Arzt, ob weitere Untersuchungen notwendig sind. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschalluntersuchung (Sonographie) können nötig werden bei stark übergewichtigen Personen, sehr kleinen Leistenhernien oder einer sehr straffen Bauchdecke sowie zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Hat der Arzt einen Leistenbruch festgestellt, ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, selbst beim kleinen Leistenbruch. Eine vorhandene Leistenhernie kann nicht von selbst heilen, sondern wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit verschlimmern. Bei Vergrößerung der Bruchlücke steigt ebenfalls das Risiko der Einklemmung von Darmteilen. Ziel der Leistenbruch OP ist zunächst die Zurückverlagerung des Bruchsackinhaltes in den Bauchraum. Danach wird der Bauchdeckenbruch verschlossen. Um weiteren Leistenbrüchen weitgehend vorzubeugen, wird der Chirurg das Gewebe zusätzlich stabilisieren.

Prinzipiell kann jeder Leistenbruch operiert werden. In Abhängigkeit von der Schwere, Art und Lage des Leistenbruchs sowie in Abhängigkeit vom Alter und der gesundheitlichen Gesamtsituation des Betroffenen entscheidet der Arzt, welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt. Neben der offenen Operation sind in der heutigen Zeit weniger belastende minimal-invasive Operationen mit endoskopischen beziehungsweise laparoskopischen Verfahren oder roboter-assistierte Operationen möglich. Mitunter genügt das Vernähen der Bruchpforte. Bei manchen Patienten muss eine zusätzliche Verstärkung durch ein eingesetztes Kunststoffnetz erfolgen. Die am häufigsten angewandten Verfahren im Bereich Leistenbruch OP sind die offene Operationstechnik ohne Kunststoffnetz (Operation nach Shouldice), die offene Operationstechnik mit Kunststoffnetz (Operation nach Lichtenstein) und minimal-invasive Operationstechniken mit Kunststoffnetz (TEP und TAPP) sowie die roboter-assistierte Operation.

Der Chirurg legt beim Shouldice-Verfahren den Leistenbruch durch einen Hautschnitt frei und drückt nach Öffnen des Bruchsacks die Eingeweide in den Bauchraum zurück. Nach Vernähen der Bruchpforte wird die Bauchwand hinter dem Leistenkanal stabilisiert und danach der Hautschnitt geschlossen. Für kleine Leistenbrüche oder eine Leistenbruch OP bei Kindern und Jugendlichen (außer Säuglingen und Kleinkindern) ist diese Methode sehr gut geeignet. Eine örtliche Betäubung reicht aus. Außer dem Nahtmaterial werden keine fremden Materialien eingesetzt. Damit sind Reizungen und Unverträglichkeiten nahezu ausgeschlossen. Da es sich bei diesem Verfahren um eine offene Leistenbruch OP handelt, dürfen die Patienten etwa zwei Monate nichts Schweres heben, keinen Sport treiben und sie können für einige Zeit noch unter ziehenden Schmerzen in der Leiste leiden.

Die Lichtenstein-Methode unterscheidet sich von der Shouldice-Methode insofern, dass eine Verstärkung der Bruchpforte mit einem Kunststoffnetz erfolgt. Ziel ist die Vorbeugung eines erneuten Leistenbruchs. Geeignet ist dieses Verfahren insbesondere für ältere Menschen, für Menschen mit (altersbedingter) Bindegewebsschwäche und bei größeren Leistenbrüchen. Auch für Betroffene, die bereits früher an Leistenhernien gelitten haben, ist diese Methode sehr geeignet. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen mit der Lichtenstein-Methode nicht operiert werden, da bei einer möglichen späteren Schwangerschaft das Netz dem Druck nicht stand hält. Diese Leistenbruch OP wird unter Lokalanästhesie durchgeführt. Spätere Hernien treten selten auf. Auch sind die Patienten früher belastbar als beim Shouldice-Verfahren. Als Nachteil wird mitunter das in der Leiste verbleibende Kunststoffnetz angesehen. Allerdings sind allergische Reaktionen aufgrund des Einsatzes modernster Materialien sehr selten.

Die Vorteile der minimal-invasiven Techniken, auch Schlüssellochchirurgie genannt, liegen darin, dass nur sehr kleine Hautschnitte zur Leistenbruch OP nötig sind. Über den winzigen Hautschnitt werden ein Endoskop (schlauchartiges Gerät mit Minikamera) und die nötigen Operationsinstrumente in den Bauchraum eingeführt. Bei der TEP-Technik (total extraperitoneale Netzplastik) wird ein natürlicher Gewebespalt zwischen Haut und Bauchfell genutzt, um die Kamera und die Instrumente einzuführen. Das zur Verstärkung benutzte Kunststoffnetz wird so zwischen Bauchfell und Muskulatur eingesetzt, dass es nicht befestigt werden muss. Beim Verfahren der TAPP-Technik (transabdominale präperitoneale  Netzplastik oder transabdominelle  präperitoneale Patch-Technik) gelangt das Endoskop mit Kamera in Höhe des Nabels in die Bauchhöhle. Ein weiterer Zugang ist notwendig zum Einführen der Instrumente. Der Bauchraum wird zum besseren Arbeiten mit Kohlendioxid gefüllt. Auch bei dieser Methode wird der Bruch in die Bauchhöhle zurückgedrückt. Danach wird das Netz von innen vor der Bruchpforte positioniert und danach mit Klammern oder Nähten (aus sich selbst auflösendem Material) befestigt. Auch bei dieser Methode besteht nur ein sehr geringes Risiko für einen weiteren Leistenbruch. Der Patient leidet kaum unter Schmerzen, ist schnell wieder aktiv und nach sieben bis zehn Tagen belastbar. Da diese Leistenbruch OP nur unter Vollnarkose möglich ist, eignet sie sich nur bedingt für ältere Menschen. Selten kann es zu einer Verletzung des Bauchfells mit Schmerzen nach der Operation kommen. Für Kinder ist das Verfahren nicht geeignet.

 

 

 

 

 

 

 

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Wie verhalte ich mich nach einer Leistenbruch Operation?

Je nach Art der Leistenbruch OP, der Schwere der Hernie, dem Alter und Allgemeinzustand der Betroffenen, ist eine angepasste Nachsorge sowie entsprechendes Verhalten notwendig. Unmittelbar nach dem Eingriff sollte eine angemessene Schonungsphase zur Erholung des Körpers, insbesondere nach einer Vollnarkose, eingehalten werden. Das Tragen von schweren Lasten sowie anstrengende und im Bauchraum Druck aufbauende Sportarten verbieten sich in den ersten Wochen von selbst. Insbesondere Menschen mit einer Bindegewebsschwäche dürfen drei bis sechs Monate nach der Operation nichts Schweres heben und sollten nach Möglichkeit alles vermeiden, was einen erhöhten Druck im Bauchraum hervorrufen kann.

Generell wichtig zur Prävention künftiger Leistenbrüche ist (nach ausreichendem Abstand zur Leistenbruch OP) ein geeigneter Sport mit dem Ziel, die Bauchmuskulatur zu trainieren und das Bindegewebe zu stärken. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung sowie der Abbau von Übergewicht können das Risiko eines erneuten Leistenbruchs zusätzlich verringern.

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Fakten-Check:

  1. Eine Leistenbruch-OP gehört zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen.
  2. Die Leistenhernie kann angeboren oder erworben sein.
  3. Typisches Symptom für einen Leistenbruch ist die Vorwölbung im Bereich der Leiste.
  4. Ein Leistenbruch verursacht leichte Schmerzen und kann von außen sicht- und tastbar sein. Er sollte möglichst bald operativ versorgt werden, weil sich die Bruchstelle mit der Zeit vergrößern kann und damit die Gefahr droht, dass sich eine Darmschlinge in ihr einklemmt. Dies wiederum ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern kann auch zu sehr großen Komplikationen führen.
  5. Hat der Arzt einen Leistenbruch festgestellt, ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, selbst beim kleinen Leistenbruch.
  6. Operativ kommen unterschiedliche Verfahren zum Zuge. Es gibt offene, minimal-invasive und roboter-assistierte Operationsverfahren. Dabei kann nochmals zwischen spannungsfreien Verfahren, bei denen Polypropylen-Netze in die Bruchlücke zur Stabilisierung eingebracht werden, und dem Nahtverfahren unterschieden werden. Beim Nahtverfahren wird der Bruch durch Nähte stabilisiert.
  7. Unmittelbar nach dem Eingriff sollte eine angemessene Schonungsphase zur Erholung des Körpers, insbesondere nach einer Vollnarkose, eingehalten werden.
 

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