„Auch Ihr Inneres braucht mal Streicheleinheiten.“


Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang | Chefarzt

BLINDDARMENTZÜNDUNG

 

 

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Starke Schmerzen im rechten Unterbauch, dazu eventuell Übelkeit und Erbrechen: Das könnte für eine Blinddarmentzündung sprechen. Hierbei entzündet sich der Wurmfortsatz des Blinddarms und sorgt für die charakteristischen Symptome. Die akute Blinddarmentzündung wird häufig mit einer Operation assoziiert. Tatsächlich handelt es sich dabei um die übliche Art der Behandlung bei einer Blinddarmentzündung, um Komplikationen wie einen lebensbedrohlichen Blinddarmdurchbruch zu verhindern. Nach wenigen Tagen Krankenhausaufenthalt kann der Patient in der Regel entlassen werden.

Wer von einer Blinddarmentzündung besonders häufig betroffen ist, welche Ursachen dahinter stecken und wie Sie sich am besten vor einem schweren Verlauf und gefährlichen Folgen schützen können, verrät unser Ratgeber!

 



INHALTSVERZEICHNIS


 

 

Definition und Übersicht: Was ist eine Blinddarmentzündung?

Hinter der Blinddarmentzündung steckt, entgegen des Wortes, keine Entzündung des eigentlichen Blinddarms. Stattdessen ist der Wurmfortsatz oder auch „Appendix“ von dem entzündlichen Vorgang betroffen. Dabei handelt es sich um einen kleinen, verkümmerten Darmschlauch mit blindem Ende. Er verfügt über eine lediglich dünne Öffnung, die ihn mit dem eigentlichen Blinddarm verbindet. Wenn diese Verbindung durch eine Verstopfung unterbrochen wird, die zum Beispiel durch verhärtete Kotbrocken auftreten kann, ist die Gelegenheit für die Vermehrung ungesunder Darmbakterien günstig. Diese können sich für die Blinddarmentzündung verantwortlich zeigen.



In der Fachsprache heißt die Blinddarmentzündung Appendizitis.

 


 

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Akute vs. chronische Blinddarmentzündung


Die akute Blinddarmentzündung tritt innerhalb eines eng gefassten Zeitraums auf und sorgt für typische Symptome. Die Blinddarmentzündung kann einfach oder destruktiv verlaufen. Der einfache Fall sorgt für eine Entzündung des Gewebes, das jedoch nicht zerstört wird. Das Infektionsgeschehen kann im leichtesten Stadium von allein wieder abflachen. In einem späteren Stadium entsteht Eiter durch die Entzündung des Wurmfortsatzes, welcher wiederum zu einer destruktiven Blinddarmentzündung führen kann. Diese ist gefährlich für den Patienten, da das entzündete Gewebe langsam zerstört wird. Die Gefahr für Komplikationen wie einen Darmdurchbruch ist hoch.

Tritt die Blinddarmentzündung immer wieder mit typischen Symptomen auf, die aber jeweils nur wenige Stunden lang anhalten, sprechen Mediziner von einer chronischen Blinddarmentzündung.

 

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Ursachen der Blinddarmentzündung

 
Charakteristische Blinddarmentzündung-Ursachen sind noch nicht einwandfrei geklärt. Es wird vermutet, dass die dünne und wurmartige Form des Blinddarmfortsatzes dafür sorgt, dass sich häufig Speisereste bzw. an dieser Stelle im Darm eher harte Kotbröckchen (Kotsteine) darin sammeln können. Bei zu vielen solcher Reste droht die Verstopfung des Zugangs zum Wurmfortsatz – Bakterien können sich uneingeschränkt vermehren und die Ursache der Blinddarmentzündung sein.



Deutlich seltener sind folgende Auslöser möglich:

  • Darmwürmer
  • Tumore
  • die Ausbreitung von Erregern durch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bis hin zum Wurmfortsatz


 

 

Blinddarmentzündung:
Symptome im akuten Stadium


Im akuten Stadium wandern die Schmerzen in den rechten Unterbauch, in dem sich der Wurmfortsatz des Blinddarms befindet. In der Regel kommen im Laufe der Zeit weitere Blinddarmentzündung-Anzeichen hinzu.



Dazu zählen:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • zunehmendes Fieber



Auch beim Laufen oder Hüpfen zunehmende Schmerzen und die Unfähigkeit, das rechte Bein ohne Schmerzen anzuheben, sprechen für die Appendizitis. Hohes Fieber, Durchfall und ein erhöhter Puls sind weitere, aber eher seltene Blinddarmentzündungs-Symptome. Auch eine belegte Zunge oder eine eingeschränkte Darmtätigkeit treten bei manchen Patienten auf. Ältere Personen sind grundsätzlich seltener von den Blinddarmentzündungs-Anzeichen betroffen.

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Blinddarmentzündung
beim Kind erkennen


Die Blinddarmentzündung beim Kind zeigt sich oft in Form stark ausgeprägter Symptome, die von Bauchschmerzen bis hin zu starker Übelkeit reichen. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Schmerzen weniger charakteristisch sind. Wenn Kinder noch sehr jung sind und ihre Schmerzen nicht eindeutig auf einen bestimmten Bereich begrenzen können, ist eine Diagnose der Blinddarmentzündung beim Kind schwierig.

 

Blinddarmentzündung – ein Fall für den Notarzt?

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Wenn die Blinddarmentzündung nicht erkannt und behandelt wird, droht schlimmstenfalls sogar Lebensgefahr. Doch nicht jedes Entzündungsstadium ist ein Fall für den Notarzt. In der Regel reicht es aus, bei Schmerzen im rechten Unterbauch zeitnah den Hausarzt des Vertrauens aufzusuchen. Für einen Notfall, der keinen Aufschub duldet und die sofortige Verständigung des Rettungsdienstes erfordert, sprechen hingegen die folgenden Symptome der Blinddarmentzündung:


 

  • ein brettharter Bauch, der mit extrem starken Schmerzen reagiert
  • eine rasche Ausbreitung der Schmerzen im Bauchraum
  • in Kombination dazu: Kreislaufschwierigkeiten, Unruhe und Atembeschwerden
  • hohes Fieber



Diese Merkmale der Blinddarmentzündung können Anzeichen für einen Darmdurchbruch sein. Dieser bedingt eine umgehende Behandlung, da er wiederum eine schwere Bauchfellentzündung verursachen kann, die bei einigen Patienten sogar tödlich endet.

 

Diagnose Blinddarmentzündung

 

Sofern es sich nicht um einen Notfall handelt, sollten Personen mit Unterbauchschmerzen zunächst den Hausarzt aufsuchen. Der Arzt wird untersuchen, ein Patientengespräch führen und abklären, wann die Schmerzen erstmals auftraten und wo genau sie sitzen. Auch weitere Symptome einer Blinddarmentzündung werden abgefragt.

Bei der körperlichen Untersuchung geht es zunächst um die Erkennung des typischen Druckschmerzes. Dafür gibt es klassische Schmerzpunkte, die bei gesunden Menschen keine Reaktion auslösen. Liegt jedoch eine Blinddarmentzündung vor, führt der Druck zu Schmerzen. Ein charakteristischer Schmerzpunkt ist der McBurney-Punkt in der Mitte der Linie zwischen dem rechten Hüftknochen und dem Bauchnabel. Hier drückt der Arzt sanft, um mögliche Blinddarmentzündungs-Anzeichen festzustellen.

Für die weitere Abklärung wird Blut abgenommen. Bestimmte Werte sprechen für Entzündungsprozesse im Körper, zum Beispiel eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Allerdings kann dieses Anzeichen auch vollständig fehlen, selbst wenn der Wurmfortsatz entzündet ist. Daher wird bei einem erhärteten Verdacht auf Appendizitis auch ein Ultraschall gemacht. Darauf kann der Arzt die Entzündung erkennen, außerdem günstigstenfalls sehen, ob es bereits zu Folgeschäden und Komplikationen gekommen ist. Bei Frauen wird im Zuge der Diagnosestellung oft auch eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen, um ähnliche Beschwerdebilder, zum Beispiel durch eine Eileiterentzündung, auszuschließen.

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SCHWIERIGE DIAGNOSE
BEI KINDERN UND SCHWANGEREN


Nicht nur die Blinddarmentzündung beim Kind ist aufgrund der häufig unspezifischen Symptome schwer zu erkennen: Auch bei Schwangeren kann eine Diagnose kompliziert sein. Der Grund dafür ist, dass der Wurmfortsatz durch die Schwangerschaft und die größer werdende Gebärmutter nach oben verdrängt wird und die Schmerzen gar nicht oder an eher ungewöhnlichen Stellen auftreten. Sogar Rückenschmerzen könnten hier Blinddarmentzündungs-Symptome sein und machen die Identifizierung der Appendizitis nicht leicht.

 

Prognose und Krankheitsverlauf der Blinddarmentzündung


Bei rechtzeitiger Therapie ist die Prognose einer Blinddarmentzündung sehr gut. Daher ist es entscheidend, bei kleinsten Anzeichen der Appendizitis einen Arzt aufzusuchen. In einigen leichten Fällen einer fraglich beginnenden Blinddarmentzündung reicht die Behandlung mit Antibiotika unter körperlicher Schonung des Patienten aus. Dennoch sollten engmaschige Kontrollen beim Arzt erfolgen, um bei lebensgefährlichen Komplikationen rasch eingreifen zu können. Außerdem steigt bei selbst abgeheilten Blinddarmentzündungen das Risiko einer erneuten Entzündung durch Vernarbungen. Weiterhin können durch entzündungsbedingt entstandene Verwachsungen im schlimmsten Fall Folgeerscheinungen wie ein Darmverschluss auftreten.

In den meisten Fällen wird daher bei Blinddarmentzündungen zu einer Operation geraten. Diese verhindert Komplikationen wie das Platzen des Wurmfortsatzes, das dazu führen würde, dass die Bauchhöhle von Bakterien besiedelt wird und vereitert. Gerade bei älteren Personen und Menschen mit einem schwachen Immunsystem ist ein solcher Durchbruch schnell lebensbedrohlich.

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Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang

Chefarzt |Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

 

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Behandlung der Blinddarmentzündung

 

Liegen typische Blinddarmentzündung-Symptome vor, entwirft der Arzt einen Behandlungsplan. Bei jungen, fitten und körperlich sonst gesunden Personen mit einem allenfalls beginnenden Entzündungsstadium können Antibiotika und der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel erst einmal ausreichen – engmaschige Kontrollen vorausgesetzt. Auch die Blinddarmentzündung beim Kind wird je nach Ausprägung zunächst medikamentös behandelt. Neben Antibiotika erhalten die Kinder in der Regel Schmerzmittel zur Linderung der Anzeichen der Blinddarmentzündung, müssen aber mindestens so engmaschig kontrolliert werden, wie Erwachsene.

Überwiegend ist jedoch die Operation die Blinddarmentzündung-Behandlung erster Wahl. Es handelt sich dabei um einen Routine-Eingriff, der selten zu Komplikationen führt. Bei diesem Eingriff wird der entzündete Wurmfortsatz entfernt. Er kann minimalinvasiv (das Standardverfahren) oder in Form einer klassischen Operation mit Öffnung der Bauchhöhle erfolgen.

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Wann wird operiert?


Die Entfernung des Blinddarms wird entweder sofort nach der Diagnose Appendizitis oder erst nach einer vorausgehenden klinischen Überwachung und Verlaufsbeurteilung vorgenommen. In seltenen Fällen, wenn die Entzündung schon zu weit fortgeschritten und der Allgemeinzustand des Patienten schon stark beeinträchtigt ist, kann es notwendig sein, den Patienten zunächst medikamentös zu stabilisieren, und dann mit einer zeitlichen Verzögerung zu operieren (eher unwahrscheinlich).

 

Wie geht es nach einer Blinddarmentzündung weiter?

 

Die meisten Blinddarmentzündung-Symptome klingen nach der erfolgreichen Behandlung rasch ab. Wurde ein Patient operiert und der Blinddarm entfernt, muss er rund zwei bis fünf Tage im Krankenhaus bleiben und überwacht werden. In einigen Fällen sind Infusionen nötig, um den Körper ausreichend zu versorgen, da nach dem Eingriff die Kost langsam gesteigert wird. Die Darmfunktion normalisiert sich nach und nach wieder, in aller Regel stellt sich der erste Stuhlgang nach zwei Tagen ein. Ist das der Fall und der Patient fühlt sich allgemein wieder fit, kann er entlassen werden.

Typische, zum Glück aber sehr seltene Komplikationen der Operation sind Blutungen oder auch eine Infektion an der Operationsstelle. Das liegt daran, dass es sich bei der Blinddarmentfernung um einen Routineeingriff handelt. Hat der Operateur klassische Nähte verwendet, werden diese rund sieben Tage nach der OP gezogen. Das kann auch ambulant erfolgen. Oft wird in der modernen Medizin jedoch zu auflösbaren Hautnähten gegriffen, die keiner Entfernung bedürfen und sich von selbst auflösen. Sofern im Rahmen der Operation eine Drainage gelegt wurde, um eventuell entstandenen Eiter abzuleiten bzw. das Wundgebiet kontrollieren zu können, wird diese ebenfalls nach einigen Tagen entfernt.

Der Patient muss sich langsam wieder in den Alltag einfinden, da selbst ein normaler Vorgang wie das Gehen zunächst sehr schmerzhaft sein kann. Ein langsamer Aufbau der üblichen Alltagstätigkeiten bietet sich an – die ausreichende Schonung ist das A und O für eine erfolgreiche Genesung!

 

Was kann man vorbeugend gegen eine Blinddarmentzündung tun?

 



Leider ist es nicht möglich, einer Blinddarmentzündung gezielt vorzubeugen.


 

Die Darmtätigkeit sollte außerdem grundsätzlich durch eine ballaststoffreiche Ernährung angeregt werden. Darmprobleme werden vermieden und der Darm kann möglichst gesund gehalten werden. Zur Darmgesundheit zählt auch der weitgehende Verzicht auf Antibiotika. Müssen Sie diese krankheitsbedingt einnehmen, sollten Sie eine unterstützende Darmkur und darmgesunde Ernährung erwägen. So kann zum Beispiel die Einnahme gesunder Darmbakterien oder der Konsum von Joghurt dazu beitragen, dass sich die Darmflora nach der Antibiotika-Therapie schneller erholt.

Für das Allgemeinwohl empfiehlt sich außerdem ein im wahrsten Sinne des Wortes bewegter Alltag. Treiben Sie regelmäßig leichten Ausdauersport oder gehen Sie wenigstens spazieren, um den gesamten Körper und damit auch den Darm aktiv zu halten.

 

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Zum Abschluss noch ein
wichtiger Tipp:


Bei den kleinsten Blinddarmentzündung-Anzeichen sollte der Arztbesuch nicht hinausgezögert werden. Aufgrund der Gefahr eines Blinddarmdurchbruchs und den damit verbundenen, lebensbedrohlichen Folgen gilt hier die Faustregel „lieber einmal zu häufig als einmal zu selten“.

 

Fakten-Check Blinddarmentzündung

  • Blinddarmentzündung meint eigentlich die Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarmende
  • die Ursache ist meist eine Verstopfung der Verbindung von Wurmfortsatz und Blinddarm, zum Beispiel ausgelöst durch Kotbröckchen/-steine
  • häufig betroffen sind Kinder und junge Erwachsene
  • die Symptome sind starke Bauchschmerzen (meistens im rechten Unterbauch), Übelkeit und evtl. Verstopfung
  • Blinddarmentzündung-Symptome treten bei jüngeren Patienten häufiger auf als bei älteren
  • gefürchtete Komplikation: „Blinddarmdurchbruch“ mit Bauchfellentzündung
  • der Arzt stellt Appendizitis durch Tastuntersuchung, Bluttest und Ultraschall fest
  • die Blinddarmentzündung-Behandlung sieht in den allermeisten Fällen eine Operation vor, in der der entzündete Wurmfortsatz entfernt wird
  • nur in bestimmten, leichten Fällen bzw. bei Verdacht auf Appendizitis wird auf konservative Therapie mit Antibiotika ausgewichen; engmaschige Kontrollen sind hier unbedingt erforderlich
  • es gibt keine konkrete Möglichkeit, der Blinddarmentzündung vorzubeugen – jedoch empfiehlt sich grundsätzlich eine ballaststoffreiche Ernährung, um Problemen mit dem Darm entgegen zu wirken