Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Volksleiden. Um über moderne Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären und Betroffenen neue Wege im Umgang mit anhaltenden Schmerzen aufzuzeigen, beteiligte sich die Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau am bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz.
Unter dem Titel „Rückenweh ade – Zeit zum Handeln“ waren Vorträge, Infostände und ein vielseitiges interaktives Begleitprogramm geboten. Mehr als 150 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich in der Tagesklinik für Schmerztherapie des Medizinischen Zentrums SOGESUND in Schongau zu informieren und mit Experten ins Gespräch zu kommen.
Den Auftakt machte Dr. h.c. Thomas Helmer, Facharzt für Anästhesiologie und Spezielle Schmerztherapie sowie Chefarzt der Tagesklinik für Schmerztherapie Schongau. Er erläuterte, weshalb Schmerzen auch dann bestehen bleiben können, wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeheilt ist. Neben möglichen Verschleißerscheinungen oder Entzündungen spielten auch Bewegungsmangel, Stress, Ängste und negative Erwartungen eine bedeutende Rolle. Eine seiner zentralen Botschaften lautete: „Das Schmerzgedächtnis ist löschbar – oder zumindest überschreibbar. Es braucht Zeit, Geduld und das richtige Team.“
Mit den größten Irrtümern rund um Rückenschmerzen beschäftigte sich anschließend Ina Glas, Physiotherapeutin und Teamleitung Schmerzphysiotherapie an der Fachklinik Enzensberg. Zahlreiche Betroffene würden Schmerzen noch immer mit Schonung begegnen. Genau das könne jedoch langfristig zum Problem werden. „Unser Körper ist für Bewegung gemacht“, erklärte Glas. „Bewegung ist ein Medikament.“ Entscheidend sei jedoch die richtige Dosierung. Weder Vermeidungsverhalten aus Angst vor Schmerzen noch dauerhafte Überlastung führten zum Ziel. Stattdessen gelte es, die individuell passende Balance zu finden und Belastungen schrittweise zu steigern.
Dass Rückenschmerzen nicht nur den Körper, sondern auch die Seele betreffen, machte Dipl.-Psych. Melitta Sauer, Psychologische Psychotherapeutin und Therapeutin der Tagesklinik für Schmerztherapie Schongau, deutlich. Anhand einer kurzen Mitmachübung veranschaulichte sie den Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühlen und körperlichen Reaktionen. Anhaltender Stress, Sorgen oder Ängste könnten Muskelanspannungen verstärken und damit Schmerzen fördern. „Der Körper lässt sich nichts vormachen“, sagte Sauer. Wer lerne, Warnsignale frühzeitig wahrzunehmen und belastende Gedanken zu hinterfragen, könne aktiv dazu beitragen, Stress und Schmerzen zu reduzieren.
Zwischen den Vorträgen konnten die Besucher selbst aktiv werden. Beim Faszientraining erklärte das Team der Tagesklinik anhand anschaulicher Bilder Aufbau und Funktion der Faszien. Ergänzend wurden kurze Übungen vorgestellt, die sich unkompliziert in den Alltag integrieren lassen.
Viel Zuspruch fand auch das Entspannungsprogramm. Unter fachlicher Anleitung erlebten die Teilnehmer einen Bodyscan mit geführter Meditation und Entspannungsübungen, die dabei helfen können, Stress abzubauen und das eigene Wohlbefinden zu stärken.
Im Bereich Ergotherapie präsentierten Fachkräfte gemeinsam mit der Orthopädie-Manufaktur verschiedene Hilfsmittel für den Alltag. Vorgestellt wurden unter anderem Rollatoren, Unterarmgehstützen, Gehstöcke, Greifhilfen und Aufstehhilfen. Die Experten erklärten Anwendung, Nutzen und individuelle Einsatzmöglichkeiten der Hilfsmittel.
Für Dr. h.c. Thomas Helmer zeigte die große Resonanz, wie wichtig Aufklärung rund um chronische Schmerzen ist. Sein Appell an die Betroffenen: „Niemand ist seinen Schmerzen hilflos ausgeliefert. Je früher Betroffene verstehen, wie Schmerz entsteht und was sie selbst dagegen tun können, desto größer sind die Chancen auf mehr Lebensqualität.“
